Bruno Gimpel (* 14. Januar 1886 in Rostock, † 28. April 1943 in Dresden) war ein von den Nazis verfolgter jüdischer Maler und Grafiker.

Gimpel stammte aus einer Rostocker Kaufmannsfamilie. Sein Vater war Mitinhaber der Firma Max & Julius Gimpel, Tuch-, Leinen-, Manufaktur- und Modewarengeschäft. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler studierte Gimpel ab 1908 an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf bei dem Grafiker Fritz Helmuth Ehmcke und bei Peter Behrens, einem Architekten, Maler, Grafiker und Kunsthandwerker. 1911 kam Gimpel nach Dresden an die Kunstakademie zu Professor Otto Gussmann, zuletzt bis 1919 als dessen Meisterschüler. Gussmann, ein Architekturmaler zwischen Jugendstil und Expressionismus, prägte ihn nachhaltig.

Als deutscher Patriot meldete sich Gimpel 1917 freiwillig zum Dienst als Krankenpfleger im Ersten Weltkrieg. Im weiteren Kriegsverlauf kam er als Kanonier an die französische Front und wurde verletzt.

Gimpels frühe künstlerische Arbeiten orientierten sich am Jugendstil und galten vielfach der Dekoration von Bauwerken. Wie viele von Gussmanns Schülern stand Gimpel der expressionistischen Dresdner Sezession 1919 um Otto Dix nahe, ohne ihr allerdings beizutreten. 1919 gehörte er zu den Mitbegründern der Vereinigung Rostocker Künstler und er konnte in seiner Heimatstadt regelmäßig ausstellen. Für den Neubau der Rostocker Universitätsklinik und des Lyzeums beteiligte sich Gimpel an der offiziellen Ausschreibung und wurde dann auch mit der Gestaltung von Wand- und Glasbildern beauftragt.

1921 zog Gimpel endgültig nach Dresden. Er konzentrierte sich zunehmend auf die Gebrauchsgrafik. In jenem Jahr entstanden zwei seiner bekanntesten Plakate, für die Dresdner Werbeschau in der Lennéstraße und für die Kunstausstellung Dresden auf der Brühlschen Terrasse. 1923 heiratete Gimpel die Musikerin Irene Herzing, eine Tochter des Dresdner Malers Andreas Herzing. Irene Gimpel sang, spielte Laute und arbeitete als Musiklehrerin. Ab 1923 leitete Gimpel die Dresdner Ortsgruppe des Bundes Deutscher Gebrauchsgraphiker, der u. a. Arno Drescher, Kurt Fiedler, Dore Mönkemeyer-Corty, Willy Petzold und Paul Sinkwitz angehörten. Wie Fiedler war Gimpel Mitglied der SPD.

Bruno Gimpel malte auch. Das Bild seiner Laute spielenden Frau aus dem Jahre 1930 befindet sich in der Galerie Neue Meister. Zudem beteiligte er sich an Wanderausstellungen der Fraternitas-Loge Bnei Brith. Gimpel blieb in Dresden seiner Heimat stets verbunden und hielt sich während der Sommermonate in der Künstlerkolonie Ahrenshoop auf.

Wegen seines Dienstes in der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg glaubte Gimpel zunächst, nicht unmittelbar vom aufkommenden Antisemitismus betroffen zu sein. Seine Funktion im Bund Deutscher Gebrauchsgraphiker musste er jedoch schon 1933 abgeben. Zwei Jahre später erhielt Gimpel Berufsverbot. Es blieben ihm nur noch Arbeiten im Rahmen der Jüdischen Gemeinde. 1934 fand eine große Ausstellung seiner Gemälde in den Räumen der Fraternitas-Loge statt. Er wirkte am Gemeindeblatt mit und gab Kindern z. B. im Kinderheim Porschendorf Zeichenunterricht. Seine Zeichnung der Dresdner Semper-Synagoge wurde als Kupferstich vervielfältigt und jenen Gemeindemitgliedern mitgegeben, die Dresden verließen. Sie erinnerte sie an ihre verlorene Heimat. Gimpels eigene Emigration nach Schweden misslang 1936. Die von ihm geschaffene Gedenktafel an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs hing im Vorraum der Semper-Synagoge bis zu deren Zerstörung am 9. November 1938.

1943 musste Gimpel zur Zwangsarbeit in die Teefabrik Willy Schlüter in der Wormser Straße 30c. Mit Victor Klemperer, der hier ebenfalls zwangsarbeitete, stand Gimpel auch persönlich in Kontakt. Die Erblindung eines Auges und fortschreitende Erkrankung des zweiten, wiederholte Verhaftungen und Verhöre, die ständigen Schikanen gegen seine nichtjüdische Ehefrau, die sich nicht hatte scheiden lassen, die bevorstehende Ausweisung aus seinem Zuhause in der heutigen Mendelssohnallee 10 sowie schließlich die angedrohte Deportation in ein Vernichtungslager hatten an seinem Lebensmut gezehrt. Die vermutliche Ermordung seines Freundes Heinrich Conradi, eines Bakteriologen und Professors an der TH Dresden, am 26. April im Polizeigefängnis war der endgültige Auslöser für Gimpels Freitod. Sein Grab befindet sich auf dem Neuen Israelitischen Friedhof an der Fiedlerstraße.

Im Oktober 1945 würdigten die Dresdner Gebrauchsgraphiker unter Kurt Fiedler ihren langjährigen Vorsitzenden; sie erhoben sich bei ihrer ersten Sitzung nach dem Krieg in ehrendem Gedenken von den Plätzen. Gimpels Frau Irene verstarb im Alter von 83 Jahren am 16. Mai 1979 in Dresden.

Abbildungen: Porträt; Plakat Kunstausstellung Dresden 1921; Zeichnung der Dresdner Synagoge; Wohnhaus in Blasewitz, Mendelssohnallee 10, frühere Deutsche-Kaiser-Allee 10

Erinnerungen an Aufenthalte von Bruno Gimpel und Kurt Fiedler an der See

Bruno Gimpel hat die Sommer verschiedentlich im Kreis von Künstlerkollegen an der See verbracht hat (Ahrenshoop, Darß). Auch von Künstlerfesten bzw. Faschingsfeiern sind Dokumente erhalten geblieben. Aus familiären Überlieferungen und Beobachtungen gibt es Hinweise, dass vermutlich auch Kurt Fiedler daran beteiligt war.

Kurt Fiedler war nach seinen Erzählungen einmal allein an der Ostsee im Urlaub. Wahrscheinlich nahm er an einer Gesellschaftsfahrt der Männer um Bruno Gimpel teil. Im Haushalt befand sich außerdem ein Kasten mit Utensilien für Fasching bzw. Kostümball. Da es sich teilweise um recht teure Accessoires handelte (echte Edelkorallen, Handarbeiten), sind die Anschaffungen auf frühestens Ende der 1920er Jahre zu datieren. Dazu muss gesagt werden, dass das Ehepaar Kurt und Nanny Fiedler diese Art Geselligkeit (z. B. Fasching) eigentlich nicht suchte. Der enge Kontakt mit den Künstlerkollegen könnte ein Hinweis sein, in welchem Kreis diese Geselligkeiten stattfanden. Die große Auswahl an Einzelstücken ist nur durch eine Mehrzahl solcher Anlässe zu erklären. Bemerkenswert ist, dass sowohl Bruno Gimpel (Steindruck, Dresdner Kunstausstellung 1946) als auch Kurt Fiedler (Zeichnung, Familienbesitz) ein Werk "Windflüchter" geschaffen haben, das die typische Wuchsform von Bäumen an der Küste zeigt.

Victor Klemperer in seinem Tagebuch

"Der Maler Bruno Gimpel war allen sympathisch, und er ist nicht ganz ein Opfer der Gestapo; er stand vor der Erblindung, er hing wohl nicht mehr fest am Leben, und als er nun seine Wohnung aufgeben sollte und unter dem Druck der Mordfälle in seiner nächsten Nähe – Conradi saß bei Schlüter neben ihm, sie plauderten den ganzen Tag – öffnete er in Abwesenheit seiner arischen Frau den Gashahn."