Kurt Fiedler (* 8. März 1894 in Eichbusch; † 11. November 1950 in Dresden) war ein Illustrator und Plakatgestalter.

Der Sohn eines Zimmererpoliers besuchte um 1910 gemeinsam mit Hermann Glöckner und Edmund Schuchardt die Abendschule an der Kunstgewerbeschule Dresden. Sein wichtigster Lehrer war vermutlich Carl Rade, der an der Abendschule Aktzeichnen unterrichtete. Von Kurt Fiedler sind aus jener Zeit eine größere Zahl Aktzeichnungen erhalten geblieben. Danach studierte er an der Kunstgewerbeschule zunächst bei Richard Guhr. Zu den entscheidenden Aufnahmekriterien in der Klasse Guhr gehörte ein gut gezeichneter Akt unter Berücksichtigung der Anatomie. Schon nach einem Jahr wechselte Fiedler als Meisterschüler zu Josef Goller. Der Grund ist nicht bekannt, allerdings erhielt er - vermutlich noch bei Guhr - im Januar 1912 eine Auszeichnung. Bei Goller lernte Fiedler wie Otto Dix, der bei Guhr auch die Aktklasse besucht hatte, vor allem Plakatentwurf. Direktor der Kunstgewerbeschule zur Zeit Fiedlers war William Lossow.

Nach dem Abschluss des Studiums im Jahre 1915 diente Fiedler an der französischen Front des Ersten Weltkriegs. Er war ausgebildeter Scharfschütze, eignete sich aber im Selbststudium die französische Sprache an und wurde als Dolmetscher eingesetzt.

Ab Anfang der 1920er Jahre - mit einer kurzen Unterbrechung um 1930 in der Zwinglistraße - wohnte Kurt Fiedler mit seiner Familie im Dürerbundhaus in Blasewitz, Bahnhofstraße 24, die spätere Wasserturmstraße 2 bzw. Heinrich-Schütz-Straße 2. Das Haus befand sich zunächst im Besitz von Ferdinand Avenarius, später von dessen Schwiegertochter Eva Schumann. Vermutlich wurde im Dürerbundhaus 1923, nachdem Kurt Fiedler hierher gezogen war, der Falken-Verlag gegründet.

Zu Fiedlers wichtigsten Auftraggebern ab Mitte der 1920er Jahre gehörten der Zirkus Sarrasani und die Güntz-Stiftung, für die er Bücher und Werbegrafiken zum Städtischen Planetarium, für den Dresdner Anzeiger, Villeroy & Boch und die Kunstdruckanstalt Römmler & Jonas gestaltete. Er arbeitete zudem vielfach für die Dresdner Verlage Rudolph, Limpert, Steinkopff, Teubner und Kaden. Kaden verlegte u. a. die Dresdner Volkszeitung, für die Fiedler den Kopf entworfen hatte. Besonders eng war zudem die Zusammenarbeit mit Emil Rudolph, z. B. bei der Talisman-Bücherei (Hrsg. Harry Winfield Bondegger). Sie stand der Neugeist-Bewegung nahe. Mehrere Bücher aus dieser Reihe waren bei den Nazis verboten. Zu den Kunden aus Industrie und Handel zählten in Dresden außerdem die Felsenkellerbrauerei und der Waaren-Einkaufs-Verein.

Kurt Fiedler gehörte wie Arno Drescher, Dore Mönkemeyer-Corty, Willy Petzold und Paul Sinkwitz der Dresdner Ortsgruppe des Bundes der Deutschen Gebrauchsgraphiker unter Bruno Gimpel an. Zu den Reichstagswahlen von 1930 und 1932 entwarf er Wahlplakate für die SPD. Anfang der 1930er Jahre wurden Fiedlers Zeichnungen mehrfach auf Kunstausstellungen im Lipsius-Bau der Kunstakademie an der Brühlschen Terrasse gezeigt. Er war vor allem für seine Porträts und Kinderzeichnungen bekannt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Kurt Fiedler als Dolmetscher in einer Kompanie französischer Kriegsgefangener eingesetzt. Nach seiner Ausmusterung arbeitete er ab 1942 als Technischer Zeichner im Zeuner-Bau an der Technischen Hochschule. In den 1940er Jahren entstanden Plakate für die Hochseil-Truppe um Hans Zimmer. Das Dürerbundhaus ist während der Luftangriffe auf Dresden am 13. Februar 1945 zerstört worden. Zu den Mitbewohnern jener Zeit gehörte Götz Heidelberg, in der Bundesrepublik später maßgeblich an der Entwicklung der Transrapid-Technik beteiligt. Im Dürerbundhaus überlebte seinerzeit auch Fiedlers Schwägerin Fanny, die Ehefrau von Edmund Schuchardt, als eine der wenigen jüdischen Mitbürger den Holocaust in Dresden. Fiedler half ihr mit gefälschten Papieren, sich bis zum Kriegsende zu verstecken.

Die Familie zog nach dem Krieg zurück in das Elternhaus nach Eichbusch. Kurt Fiedler engagierte sich als Vorsteher der Gemeindeverordneten von Rockau, war künstlerischer Mitarbeiter der Landesleitung Sachsen der SED und wirkte im Vorstand des Vereins bildender Künstler im Kulturbund in Dresden. Im Zuge der Zurückdrängung aller sozialdemokratischen Einflüsse wurde er jedoch zugunsten von Wilhelm Schubert von der ehemaligen KPD zunehmend isoliert. Kurz vor seinem Tod zog Kurt Fiedler mit seinen Kindern wieder nach Gruna in die Schrammsteinstraße 5. Er fand auf dem Urnenhain Tolkewitz die letzte Ruhe.

Fiedlers politische Plakate aus der letzten Schaffensperiode wurden in Auflagen bis zu 200.000 Stück gedruckt und befinden sich heute im Deutschen Historischen Museum, in der Akademie der Künste Berlin, im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, im Bundesarchiv, in der Hoover Institution der Stanford University, im Stadtmuseum Bautzen und in der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz. "Junkerland in Bauernhand", als Filmplakat für die DEFA geschaffen, wird in einer Dauerausstellung im Haus der Geschichte in Bonn gezeigt. Im Jahre 2006 war Kurt Fiedler bei der Ausstellung "Mythos Dresden: eine kulturhistorische Revue" im Deutschen Hygiene-Museum vertreten, im Jahr 2011 im Stadtmuseum in der Ausstellung "Dresden plakativ!" und 2012 in Berlin, Unter den Linden, bei der Ausstellung "überklebt – Plakate aus der DDR". Das Stadtarchiv Dresden bewahrt einen Teilnachlass auf (Sammlung 17.6.3.5).

Abbildungen: Selbstporträt, 1949; Tourismuswerbung "Nach Sachsen", Limpert-Verlag; Zeichnung "Sonja und Frank" aus dem Katalog zur Kunstausstellung an der Brühlschen Terrasse von 1933; das Geburtshaus von Kurt Fiedler in Eichbusch, nach der Zerstörung Dresdens 1945 Zuflucht für seine Familie; Plakat "Was wird mit Deutschland?"

Buchtitel: Kurt Fiedler hat vor allem für die Rudolph'sche Verlagsbuchhandlung eine große Anzahl von Buchtiteln gestaltet. Bemerkenswert ist insbesondere das Buch "Jüdische Witze" mit der ersten Auflage aus dem Jahr 1926. Das Buch ist dem jüdischen Humor gewidmet und vom unbekannten Autor offenbar aus Kritik am aufkeimenden Nationalsozialismus mit dem Pseudonym "H. Itler" versehen worden.
Werbegrafiken: Kurt Fiedler hat zusammen mit renommierten Druckhäusern viele Plakate und andere Reklamesachen für prominente Kunden gestaltet, z. B. für die Güntz-Stiftung.

Exponate in der Ausstellung "Dresden plakativ!" im Stadtmuseum, 2011

  • Die Frühjahrsbestellung ist entscheidend
  • Junkerland in Bauernhand