Paul Sinkwitz (* 29. März 1899 in Ebersbach; † 15. Juli 1981 in Bad Tölz) zählte zu den bedeutendsten Vertretern der Werkkunst und war ein sehr vielseitiger Maler und Grafiker.

Sinkwitz besuchte bis 1913 die Volksschule Ebersbach und nahm danach eine Lehre an der hiesigen Graphischen Kunstanstalt als Zeichner und Lithograf auf. Zudem bildete er sich autodidaktisch weiter. Sinkwitz lernte in seiner Oberlausitzer Heimat früh das harte Leben der Weber kennen. Hier wurde seine tiefe Frömmigkeit geprägt.

Beim Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg in den Jahren 1917 und 1918 erlitt Sinkwitz eine Verwundung, seine pazifistische Grundhaltung prägte sich aus. Nach dem Krieg studierte er an der Staatlichen Akademie der Graphischen Künste in Leipzig bei Franz Hein, Alois Kolb, Hans-Alexander Müller und an der Kunstgewerbeakademie Dresden u. a. bei Arno Drescher und Georg Erler. Sinkwitz war aktives Mitglied in den Jugendbewegungen seiner Zeit (Wandervogel, Finkensteiner Bund).

Ab 1922 lebte Sinkwitz auf Einladung von Karl Schmidt für mehr als 30 Jahre in der Gartenstadt Hellerau, ab 1929 in einem von Fritz Steudtner im Stil der Neuen Sachlichkeit erbauten Holzhaus, Grüne Telle 6. Im Bund Deutscher Gebrauchsgraphiker arbeitete er in der Dresdner Sektion unter Bruno Gimpel mit. Ihr gehörten u. a. auch Arno Drescher, Kurt Fiedler, Dore Mönkemeyer-Corty und Willy Petzold an. Von 1924 bis 1929 studierte Sinkwitz an der Kunstakademie Dresden bei Ferdinand Dorsch, Max Feldbauer, Georg Lührig sowie als Meisterschüler des bedeutenden Impressionisten Robert Sterl. Für seine ausgezeichneten Studienleistungen erhielt er ein Ehrenzeugnis und ein Reisestipendium. Für die Diakonissenhauskirche schuf Sinkwitz 1929 das Wandbild "Abendmahl". Er wurde 1930 zusammen mit Eva Schulze-Knabe mit dem Kunstpreis der Stadt Dresden ausgezeichnet. Bis zu Sterls Tod im Jahre 1932 widmete sich Sinkwitz schwerpunktmäßig der Malerei, danach wandte er sich wieder der Grafik zu.

Ab 1931 lehrte Sinkwitz an der Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe, der früheren Kunstgewerbeschule, in der Allgemeinen Abteilung und der Abendabteilung, ab 1940 an der Staatlichen Kunsthochschule bis zur Einberufung zum Kriegsdienst als Dozent für Schriftgestaltung. Von ihm stammen die Schriftfonts Sinkwitz-Gotisch und Sinkwitz-Bastard. Sinkwitz galt als politisch unbelehrbar und widersetzte sich dem nationalsozialistischen Rassenwahn. Das Atelier an der Kunsthochschule fiel den Luftangriffen der Nacht des 13./14. Februar 1945 zum Opfer.

Sinkwitz arbeitete ab 1946 freischaffend. Er trat wie Hermann Glöckner der 1945 gegründeten Künstlergruppe Der Ruf bei. Sie war die erste Künstlergruppe in der sowjetischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg und an der klassischen Moderne orientiert. Man wollte künstlerische Avantgarde mit sozialistischer Orientierung verbinden, konnte sich jedoch mit dem Anspruch von künstlerischer Freiheit nicht durchsetzen und löste sich 1948 wieder auf. Einige Mitglieder wie 1947 schon Sinkwitz schlossen sich der Künstlergruppe Das Ufer an. Diese Gruppe versuchte, den sozialistischen Realismus mit der Dresdner Maltradition zu verbinden und Individualität zu bewahren, verstand sich aber auch der Verbreitung sozialistischer Ideale verpflichtet. Ihre gefühlte Aufbruchstimmung symbolisierten sie in ihrem Gruppensignet, einer schwarzen Wasserwelle mit grünem Ufer sowie einem schwarzen Pinsel und einem grünen Friedenszweig darüber. Die Mitglieder von Das Ufer gerieten zunehmend in Konflikt mit der aufkeimenden Realismusdebatte in der DDR, kooperierten aber auch mit den Machthabern, wenn es z. B. um die sozialistische Umgestaltung der Museen ging.

Sinkwitz widmete sein erstes Plakat nach dem Zweiten Weltkrieg Käthe Kollwitz. Mit weiteren Plakaten unterstützte er die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens bei einer Spendenaktion zum Wiederaufbau der Frauenkirche bzw. thematisierte "40 Jahre Hellerau".

1955 übersiedelte Sinkwitz nach Stuttgart, wo er wegen Benachteiligung in der Zeit des Faschismus rückwirkend ab 1942 zum Professor berufen wurde. Er lehrte in Stuttgart an der Fach- und Meisterschule. Am Wiederaufbau der Diakonissenhauskirche in Dresden beteiligte sich Sinkwitz auch noch nach seiner Übersiedelung in die Bundesrepublik von 1961 bis 1972 mit dem Altarbild und fünf Glasfenstern. In einer seiner letzten Schriften würdigte 1965 der bedeutende Kunsthistoriker Eberhard Hempel Sinkwitz' Schaffen.

1966 übersiedelte Sinkwitz nach Arzbach bei Bad Tölz. 1980 wurde sein Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande gewürdigt. Die Werke von Sinkwitz werden in Dresden im Kupferstich-Kabinett, im Stadtmuseum sowie in der Galerie Neue Meister aufbewahrt.

Exponat in der Ausstellung "Dresden plakativ!" im Stadtmuseum, 2011

Oberlausitzmotive

  • Lausitzer Weberstube
  • Bumphutt (1928)
  • Einladung zum Richtfest der Oppacher auf dem Bau Neusalza
  • Erntelandschaft (1952)
  • "Oberlausitz, geliebtes Heimatland" (Kleiner Holzschnittkalender, Kunstverlag Schubert und Grosche, Ebersbach 1953)

Perikop-Bilder zu den Sonntags-Evangelien

  • "Das Bild zum Sonntags-Evangelium" mit Teil 1 vom Advent bis zum Pfingstfest und Teil 2 vom Dreieinigkeitsfest bis zum Ende des Kirchenjahres, Quell-Verlag Stuttgart (1956/57)
  • "Bilder zum Kirchenjahr nach den altkirchlichen Sonntags-Evangelien: der Sonntagsruf" bei der Evangelischen Verlagsanstalt Berlin (1958)