Josef Goller (* 25. Januar 1868 in Dachau; † 29. Mai 1947 in Obermenzing bei München) war ein bedeutender Glasmaler des Jugendstils und ein bekannter Grafiker.

Nach Absolvierung einer Lehre an der Mayer’schen Hofkunstanstalt und dem Besuch von Abendkursen an der Kunstgewerbeschule in München kam Goller 1887 nach Zittau, wo er bis 1890 bei einer Kunstglaserei angestellt war. 1890 übernahm er die künstlerische Leitung der Anstalt für Glasmalerei von Bruno Urban in Dresden, die später als Urban & Goller firmierte. Sie realisierten die Entwürfe bekannter Maler, darunter die Fenster der Michaeliskirche in Leipzig von Hofmaler Ludwig Otto. Zu Gollers frühen eigenen Entwürfen zählten vier Fenster für den Standesamtssaal des Nürnberger Rathauses.

Goller gehörte der 1902 von dem Impressionisten Gotthardt Kuehl gegründeten, heimatverbundenen Künstlergruppe Die Elbier an, für die er das hoffnungsvolle Wahrzeichen entwarf: ein Schiff auf bewegten Wogen mit vom Wind geblähten Segeln. Danach wandte er sich verstärkt auch der Werkkunst zu. Goller war Mitglied des Deutschen Werkbundes und arbeitete zeitweise für die Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst. In der Grafik war die Lithografie Gollers Spezialgebiet. Er hielt enge Beziehungen zu den Buchkünstlern Peter Behrens und Johann Vincenz Cissarz. Seine karikaturistischen Plakate erinnern in ihrer Gestaltung an Edmund Edel.

Von 1906 bis 1928 lehrte Goller an der Kunstgewerbeschule die Klasse für Glasmalerei, wo Oskar Fritz Beier und Otto Griebel zu seinen bekanntesten Schülern zählten. 1909 erhielt Goller die Berufung zum Professor. Er widmete sich zudem der Buchillustration und Plakatgestaltung. Hier gehörten Otto Dix und Kurt Fiedler zu seinen Schülern an der Kunstgewerbeschule.

Josef Goller wurde früh für die dekorative Gestaltung von Innenräumen bekannt, so für die Internationale Kunstausstellung von 1901 und die 3. Deutsche Kunstgewerbeausstellung von 1906, die jeweils im Dresdner Ausstellungspalast stattfanden. Er schuf in Sachsen Mosaike und viele Glasmalereien für Fenster in Rathäusern, Schulen, Bahnhöfen, Kirchen und Synagogen, beispielsweise in Bischofswerda zusammen mit Villeroy & Boch, in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Görlitz, Pirna und Radebeul.

Bekannte Werke in Dresden sind die Fenster des Kaiserpalastes, darunter ein Kolossal-Fenster im Vestibül, die farbliche Neugestaltung des Foyers der Semperoper von 1912 und die Glasmalereien über dem Hochaltar der Marienkirche Cotta. Auch für den Zoo, die Garnisonkirche, das Ständehaus, das Kunstgewerbemuseum und im Neuen Rathaus führte er Aufträge aus. In Chemnitz sind Schwarz-Gold-Fassungen für den Ratskeller, ein Bacchus-Gemälde in der Ratsherrentrinkstube sowie Werke in der Mittelschule Chemnitz-Siegmar und der Kirche Chemnitz-Euba erhalten. Zwölf historische Bilder in Wappenform mit floralen und kulinarischen Motiven wurden 2005 im Neuen Rathaus Chemnitz wieder eingesetzt. In der Bibliothek des Schlosses Waldenburg gestaltete Goller das Deckenoberlicht. Die Wandmalereien und Mosaikbilder in der Crimmitschauer Johanniskirche sind nicht mehr erhalten. In Leipzig entwarf er Fenster für den Empfangssaal im Hauptbahnhof. In seinen späten Jahren war Goller wiederholt mit Ölgemälden auf Dresdner Kunstausstellungen auf der Brühlschen Terrasse vertreten.

Josef Goller kehrte 1928 nach München zurück.

Abbildung (oben): Mosaik von Josef Goller und Villeroy & Boch an der Christuskirche Bischofswerda
Abbildung (unten): Außenansicht der Glasfenster von Josef Goller in der Kirche Königswartha