Die Kunstgewerbeschule wurde 1875 als "Königlich-Sächsische-Kunstgewerbeschule" in einem ehemaligen Gebäude der Technischen Bildungsanstalt, einem Vorläufer der TU Dresden, am Antonsplatz gegründet. Ihre Blüte erlebte sie ab 1906 an der Eliasstraße.

Mit dem Aufbau der Kunstgewerbeschule wurde 1875 der Architekt und Designer Carl Ludwig Theodor Graff beauftragt, der sie auch viele Jahre als erster Direktor leitete. Graff gehörte zu den Vertretern der Neorenaissance nach Gottfried Semper in Dresden. Er ergänzte die Schule 1876 am gleichen Ort mit einem Kunstgewerbemuseum, das die Studenten mit Anschauungsmaterial unterstützen sollte, sowie mit einer Kunstgewerbebibliothek.

Die Kunstgewerbeschule verfolgte die Intention, die sich im 19. Jahrhundert ausbreitende Industrialisierungswelle mit neuen Kunstzweigen und künstlerischem Handwerk in der Ausbildung zu harmonisieren, um geschmacksbildend auf Gewerbe und Industrie einwirken zu können. Das Unterrichtsprogramm umfasste Architektonisches Kunstgewerbe, Muster-, Stoffe-, Tapeten- und Gardinenzeichnen, Dekorationsmalen, Porzellanmalerei, Lithographie und Buntdruck, Ornamentmodellieren, Figürliches und kunstgewerbliches Modellieren, Metalltechnik, Figürliche und Theaterdekoration, Kunstgewerbliche Entwürfe, Raumkunst und Architekturzeichnen. Neben dem regulären Tagesunterricht wurden mehrere Fächer auch im Abendunterricht sowie eine Vorschule angeboten.

Ab 1903, noch unter Graff, bauten William Lossow und Hermann Viehweger ein neues Gebäude an der Eliasstraße. Dabei integrierten sie Teile des früheren Brühlschen Palais wie die Eingangstür, die Treppe und und vor allem den Festsaal von Johann Christoph Knöffel einschließlich des Deckengemäldes von Louis de Silvestre. Nach Graffs Tod im Jahre 1906 übernahm Lossow die Direktion der Kunstgewerbeschule am neuen Ort. Sein Reformwillen zeigte sich schon teilweise in der Gestaltung des neuen Gebäudes und setzte sich in der weiteren Ausrichtung der Kunstgewerbeschule fort, die mit den Zielen des 1907 in München gegründeten Deutschen Werkbundes korrespondierte. Neben Lossow gehörten dem Werkbund u. a. mit Josef Goller und Oskar Seyffert weitere Lehrkräfte der Dresdner Kunstgewerbeschule an. 1908 wurde an der Kunstgewerbeschule der Landesverein Sächsischer Heimatschutz gegründet. 1914 trennte der nunmehrige Direktor Karl Groß das Kunstgewerbemuseum ab.

Zu den Absolventen der Schule, die meist ein Studium an der Kunstakademie anstrebten, gehörten viele später erfolgreiche Künstler wie Otto Dix. Sie hatten an der Kunstgewerbeschule einen ausgezeichneten Zeichenunterricht erhalten, der sie befähigte, Dresden in den 1920er Jahren zu einem Zentrum der Neuen Sachlichkeit werden zu lassen.

Die Kunstgewerbeschule hieß ab 1921 Akademie für Kunstgewerbe. In dieser Zeit, unter dem langjährigen Direktor Karl Groß, genoss sie besonders auch dank Carl Rade hohes Ansehen. Nach der Machtergreifung durch die Nazis trat Groß zurück, Rade wurde entlassen. Während der Nazizeit bestanden an diesem Ort neben dem Kunstgewerbemuseum und der Kunstgewerbebibliothek eine Staatliche Meisterschule des Deutschen Handwerks, eine Hochschule für freie und angewandte Kunst und eine Staatliche Kunsthochschule. Zu den bekanntesten Dozenten zählte hier Paul Sinkwitz.

1947 wurde die ehemalige Kunstgewerbeschule als Hochschule für Werkkunst unter Leitung von Will Grohmann wiedergegründet. Die Kunstgewerbebibliothek erhielt den Rang einer Zentralen Kunstbibliothek der Staatlichen Kunstsammlungen. Nachdem Grohmann ein Jahr später die sowjetische Besatzungszone verlassen hatte, wurde der Bauhäusler Mart Stam zum Rektor berufen. Er war maßgeblich an der Rekonstruktion und dem Wiederaufbau der Gebäude und Ateliers der Hochschule für Werkkunst beteiligt. Stam sollte sie mit der Akademie für Bildende Künste Dresden vereinen, geriet aber unter Formalismus-Verdacht, also einer "volksfremden und volksfeindlichen Strömung" anzugehören. Einflussreiche Kräfte um Lea Grundig lehnten Stam entschieden ab und er musste 1950 Dresden wieder verlassen. Noch im selben Jahr wurde die vormalige Kunstgewerbeschule in die vereinigte Hochschule für Bildende Künste (HfBK) eingegliedert. Sie ist heute deren größter Standort.

Abbildung (oben): Seitenflügel der ehemaligen Kunstgewerbeschule am heutigen Güntzplatz
Abbildung (Mitte): Die Kunstgewerbeschule am früheren Eliasplatz
Abbildung (unten): Haupteingang an der Güntzstraße

Kunstgewerbeschule 1910

Paul Schumann, 1909

Festsaal des Palais Brühl

Mart Stam, 1948

Der Arbeiter, der Werktätige ist der Konsument, und es geht um die Versorgung der breiten Schicht der Werktätigen mit Produkten, die tatsächlich das Beste darstellen; es geht darum, Gestalter auszubilden, welche die Verantwortung tragen können für das kulturelle Niveau der Gebrauchsgegenstände unserer werktätigen Menschen.

Sanierung von 1991 bis 2009

Der Freistaat Sachsen investierte in den Standort Güntzstraße der Hochschule für Bildende Künste 18 Millionen Euro. Dabei wurde den Räumen die ursprüngliche Struktur zurückgegeben. Das Dach wurde mit hochwertigen Aluminiumtafeln gedeckt.