Justus Friedrich Güntz (* 21. Juli 1801 in Wurzen; † 11. Juli 1875 in Dresden) war ein Rechtsanwalt, Besitzer des Dresdner Anzeigers sowie Gründer der nach ihm benannten Stiftung.

Der Vater von Friedrich Güntz war Steuereinnehmer in Wurzen, stammte aber ursprünglich aus Dresden. Die Familie ließ sich um 1816 wieder in Dresden nieder, wo der Vater als Kreis-Schock- und Personensteuereinnehmer arbeitete. Der Sohn besuchte ab 1817 in Meißen die Fürstenschule St. Afra, danach studierte er bis 1826 in Jena und Leipzig Jura. Nach seiner Promotion kehrte er nach Dresden zurück, wo er sich als Rechtsanwalt niederließ.

Der Vater wurde 1825 Bevollmächtigter der Freifrau von Schlichten. 1834 übergab er diese Vollmacht seinem Sohn. Justus Friedrich Güntz wurde damit auch mit der Verwaltung des Adreß-Comptoirs beauftragt, das die Freifrau von Schlichten von ihrer Großmutter Wilhelmine Henriette Friederike Richter geerbt hatte. Das Comptoir war seinerzeit an Johann Christoph Arnold und Friedrich Gottlieb Aster verpachtet, die den Dresdner Anzeiger herausgaben.

1836 wurde Güntz zum unbesoldeten Stadtrat gewählt. Er übte diese Funktion fünf Jahre lang aus. Bürgermeister war zu jener Zeit Karl Balthasar Hübler.

1837 kaufte Güntz das Adreß-Comptoir für 27000 Taler. Mit der Auslösung des verbliebenen Pächters Friedrich Gottlieb Aster - Arnold war Ende 1836 ausgeschieden - Anfang 1839 wurde Güntz gleichzeitig zum Herausgeber des Dresdner Anzeigers. Er führte seinerzeit die Konzessionsverhandlungen mit dem Ministerium des Innern sehr geschickt. So musste er zwar eine Herabsetzung der Anzeigenpreise und den Verlust der Portofreiheit akzeptieren, dafür wurde der Dresdner Anzeiger aber zum Amtsblatt erhoben. Die Bekanntmachungen von Stadtrat, Polizeideputation, Armenversorgungsbehörde und Stadtverordneten mussten zwar kostenlos veröffentlicht werden, aber mit ihnen stieg die Auflage der Zeitung allein in den ersten drei Jahren als amtliches Organ um 50%.

An eine Erweiterung des Dresdner Anzeigers zu einem Nachrichtenblatt traute sich Güntz nicht heran; dies sollte konsequent erst Jahrzehnte später unter Hermann Thenius und Leonhard Lier erfolgen. Der Mangel an einer wirklichen Zeitung, neben dem Anzeiger gab es seinerzeit in Dresden nur die politikfreie Dresdner Abendzeitung von Theodor Hell und eine Dorfzeitung, ermutigte Ernst Ehrenfried Blochmann und Johann Andreas Schubert in den 1840er Jahren zu Anträgen beim Dresdner Stadtrat, neue Zeitungen gründen zu dürfen. Man beschwerte sich auch darüber, dass Güntz seine mit dem Kauf des Dresdner Anzeigers übernommene Verpflichtung nicht erfüllen würde, neben Anzeigen auch Information und Unterhaltung zu verbreiten. Das eigentliche Ziel der Beschwerden bestand jedoch darin, selbst die lukrative Genehmigung zum Abdrucken von Inseraten zu erhalten. Die Anträge wurden abgelehnt, erst Benedictus Gotthelf Teubner erhielt die Konzession zu dem konkurrierenden Dresdner Tageblatt, musste jedoch zugestehen, nur Inserate zu drucken, die schon im Dresdner Anzeiger gestanden hatten. Zwischen Güntz und Teubner entwickelte sich ein feindseliges Verhältnis, das auch eine vorgeschlagene Verschmelzung beider Blätter verhinderte.

Konkurrenz zuzulassen wurde politisch zunehmend opportun. Der Bedarf an einer Verbreitung von Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Kultur wuchs. Güntz reagierte und gab in der ersten Hälfte des Jahres 1848 das anzeigenfreie Dresdner Morgenblatt unter Leitung des Redakteurs Heinrich Wilhelm Herz heraus. Herz konzipierte das Morgenblatt als Zeitschrift für Poesie und Geschichte, für Wissenschaft und Bildung. Es erschien entgegen der behördlichen Erwartung jedoch nur bedingt als Beiblatt zum Dresdner Anzeiger, weil Güntz einen zusätzlichen Preis verlangte. Eine politische Berichterstattung wurde ihm nicht erlaubt. Gedruckt wurde die Zeitschrift bei Ernst Ehrenfried Blochmann. Herz stand dem revolutionären Vaterlands-Verein nahe und nutzte das Blatt nach der Aufhebung der Pressezensur im März 1848 auch für die politische Agitation. Güntz selbst strebte als Mitglied des Deutschen Vereins eher liberal-konservative Ziele wie die einer konstitutionellen Monarchie an. Auschlaggebend für die Einstellung des Morgenblattes waren jedoch weniger politische Gründe, als wirtschaftliche Erwägungen nach dem Wegfall der Presseprivilegien und damit dem raschen Anwachsen von Konkurrenz.

Nachdem Güntz drei Ehefrauen und seinen Sohn verloren hatte, übergab er - tief erschüttert - am 26. August 1856 sein Unternehmen der Stadt Dresden als Stiftung, die offizielle Verlautbarung erschien am 1. Oktober. Oberbürgermeister war zu jener Zeit Friedrich Wilhelm Pfotenhauer. Güntz behielt aber das Recht für sich und seine Erben, darunter seine vierte Ehefrau, an den Erträgen der Stiftung beteiligt zu werden. Mit der verbindlichen Festlegung einer weitestgehenden Autonomie der Redaktion des Dresdner Anzeigers versuchte er, politische Einflussnahmen zu begrenzen. Zunehmend erschienen jetzt in der Zeitung auch redaktionelle Beiträge.

Die Dr. Güntz'sche Stiftung widmete über fast ein Jahrhundert ihre Mittel satzungsgemäß der Wohltätigkeit und der Verschönerung der Stadt. Zu Güntz' Lebzeiten finanzierte sie beispielsweise Fresken an der Kreuzschule, Denkmale für Kurfürstin Anna von Robert Henze und Theodor Körner von Ernst Hähnel sowie die Hauptschauseite des Albert-Theaters. Das Denkmal für Ernst Rietschel, von Johannes Schilling geschaffen, auf der Brühlschen Terrasse wurde erst im Jahr nach dem Tod von Güntz eingeweiht.

1861 hatte Güntz das Grundstück Am Steinberg gekauft, wo er in seinem letzten Lebensjahr das Wohnhaus zur Villa mit Gärtnerei umbauen ließ. Güntz wurde in der Familiengruft auf dem Eliasfriedhof beigesetzt. Nach ihm sind in Dresden die Güntzstraße und der Güntzplatz benannt.

Abbildungen im Text: Porträt von Justus Friedrich Güntz, Büste nach Gustav Adolph Kietz

Abbildungen (unten): Denkmale für Kurfürstin Anna (l.) und Theodor Körner (r.)

Vorkehrung für die Pressefreiheit, Paragraph 7 der Stiftungsurkunde:

Die Redaktion des Dresdner Anzeigers ist niemals vom Stadtrate oder einem seiner Mitglieder selbst, sondern von einem besonderen, für seine Person nach Maßstabe der Preßgesetzgebung verantwortlichen, aus den Erträgnissen des Adreß-Comptoirs zu salarierenden Redakteur zu leiten und von diesem nach seinem pflichtmäßigen Ermessen zu besorgen. Ich sehe daher voraus, daß der Stadtrat sich jeder, die Selbständigkeit dieses pflichtmäßigen Ermessens des Redakteurs beschränkenden Einwirkung auf die Redaktion sowohl im Allgemeinen, als auch in Beziehung auf eine möglichst freie, jedoch selbstverständlich anständige Besprechung der die Verwaltung der Stadt Dresden betreffenden Angelegenheiten enthalten werde.

Familie

Justus Friedrich Güntz entstammte einer Familie, die im 17. Jahrhundert in Großenhain ansässig war. Ein Gottfried Güntz († 9. November 1738) ging nach Königstein, wo er über 30 Jahre als Pfarrer und Diakon tätig war.

Gottfried Güntz hatte drei Söhne. Der älteste, Just Gottfried Güntz (1714-1754), war ein berühmter Medizinprofessor an der Universität Leipzig und ab 1751 Leibarzt von August III. Der jüngste Sohn von Gottfried Güntz - Justus Friedrich Güntz' Großvater - wurde Geheimer Kabinettregistrator in Dresden. Er hieß ebenfalls Justus Friedrich Güntz (1720-1776).

Der fünfte Sohn des Dresdner Kabinettregistrators Justus Friedrich Güntz, Friedrich Christian Güntz (1772-1856), heiratete als Steuereinnehmer in Wurzen 1799 Caroline Sophie Voigt (1776-1836). Die Familie war ab ca. 1816 wieder in Dresden ansässig. Friedrich Christian Güntz verwaltete als Bevollmächtigter der Freiin von Schlichten auch das Adreß-Comptoir. Er war Mitglied der Ökonomischen Gesellschaft im Königreiche Sachsen und des Deutschen Vereins. Justus Friedrich Güntz war sein einziger Sohn, er hatte drei Schwestern.

Brüder von Friedrich Christian Güntz und damit Onkel von Justus Friedrich Güntz waren: Justus Christian Güntz (1752-1837), Dr. jur., königlich sächsischer Geheimer und Appellationsrat in Dresden, Domherr zu Zeit, Besitzer eines Weingrundstücks in Loschwitz/Schevenstraße, wo Hofkapellmeister Carl Gottlieb Reißiger zu seinem Freundeskreis gehörte, verwaltete den Nachlass des Onkels seiner Frau, Oberbibliothekar Johann Christoph Adelung; Justus Wilhelm Güntz (1752-1837), Elbzolleinnehmer und Kassenrendant in Dresden, später als Geleitsmann in Wurzen und Wittenberg ansässig, sein Sohn Justus Maximilian Güntz arbeitete zeitweise für den Dresdner Anzeiger, ein weiterer Sohn, Theobald Güntz, wurde Psychater und übernahm die Nervenheilanstalt Thonberg seines Onkels Eduard Wilhelm Güntz; Carl Ludwig Güntz (1774-1833), königlicher Leibchirurg von Friedrich August dem Gerechten, Besuch des Freimaurer-Instituts, gehörte der Loge "Zur goldnen Mauer" in Bautzen an, Regimentsarzt der mit Napoleon verbündeten sächsischen Truppen, 1821 begleitete er Prinz Johann nach Florenz, wo er diesem das Leben rettete

Weitere bedeutende Familienmitlieder waren:

Amtsaktuar Justus Friedrich Güntz (ein Sohn von Justus Christian Güntz), mit dem Komponisten Carl Loewe befreundet, der ihm 1836 die Ballade Heinrich der Vogler (op. 56) nach Johann Nepomuk Vogl widmete, Erbe des Weingrundstücks in der Schevenstraße, seine Brüder gehörten zum Freundeskreis von Robert Schumann.

Eduard Wilhelm Güntz (1800-1880), ein Sohn von Justus Wilhelm Güntz, war ein Wegbereiter der Psychatrie. Eduard Wilhelm Güntz lehrte an der Universität Leipzig. Als Stadtbezirksarzt untersuchte er Robert Schumann. 1836 begründete er auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Versuchsstation Möckern der Leipziger Societät eine Nervenheilanstalt, die er 1839 nach Thonberg verlegte. Güntz war Mitglied der Leopoldina. Sein Enkel Max Güntz wurde ein bedeutender Agrarwissenschaftler.

Justus Friedrich Güntz war vier Mal verheiratet. 1836 heiratete er Marie, eine Cousine. Sie starb 1842, ihre gemeinsame Tochter starb 1861 im Alter von 19 Jahren. 1849 starb die zweite Frau von Güntz, Emma geb. von Röder, im August 1854 die dritte Ehefrau, Auguste geb. Schreck, bei der Geburt des Sohnes Justus Alfred, Güntz' einziger männlicher Nachkomme. Justus Alfred Güntz starb im Juni 1855. Güntz' 4. Ehefrau, Louise, wiederum eine Cousine, lebte bis 1893.

In der 1752 errichteten Familiengrabstätte auf dem Eliasfriedhof fanden 49 Mitglieder der Familie Güntz die letzte Ruhe.