Der Kunstwart wurde von Ferdinand Avenarius im Oktober 1887 als "Rundschau über alle Gebiete des Schönen" gegründet und thematisierte Literatur, Theater, Musik und bildende Künste.

Avenarius setzte für das Projekt sein ganzes Erbe ein. Er fühlte sich einer Bewegung "Kunst für alle, Musik für alle, Wissen für alle" verpflichtet. Gleichzeitig wollte Avenarius damit ein Ungleichgewicht in der vorherrschend rationalen Welt beheben. Der Kunstwart erschien zunächst im Eigenverlag und wurde - nachdem er in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war - 1892 von der Druckerei Kreyß und Kunath zeitweilig übernommen. Zu den frühen Autoren gehörte Cornelius Gurlitt, ab 1890 kamen Paul Schumann und Leonhard Lier vom Dresdner Anzeiger hinzu. Avenarius blieb aber neben seiner Redaktionstätigkeit gleichzeitig der wichtigste Autor.

Als die Abonnentenzahl weiterhin bei etwa 600 stagnierte, verkaufte Avenarius am 1. April 1894 die Hälfte des Kunstwart an den Callwey Verlag München. 1904 erreichte der Kunstwart bereits 22000 Abonnenten. Er wurde zum Bildungsblatt des mittleren Bürgertums schlechthin. Der Kunstwart blieb auch nach dem Verkauf mit Dresden eng verbunden. Callwey übernahm die bekannte Marke und nannte seinen Verlag Kunstwartverlag Georg D.W. Callwey. Avenarius wirkte von Dresden aus als Herausgeber. Er gewann den Kinowissenschaftler Hermann Häfker und den Initiator der Werkbundidee Hermann Muthesius als Autoren

Der 1902 gegründete Dürerbund verstand sich als Verein zur Förderung des Kunstwartgedankens - und auch als dessen Vertriebsorgan. Gemeinsam gab man eine Sammlung Meisterbilder und Künstlermappen für das deutsche Haus heraus. 1908 übernahm Wolfgang Schumann den Literaturteil der Zeitschrift. Im Dürerbundhaus in Blasewitz befanden sich ab 1911 die Dresdner Redaktionsräume.

In den Jahren 1912-1915 und 1918-1925 erschien die Zeitschrift unter dem Titel "Kunstwart und Kulturwart", die Kriegsausgaben von 1915 bis 1919 unter dem Titel "Deutscher Wille". Die größte Zahl der Beiträge stammte von Ferdinand Avenarius und Wolfgang Schumann, auch Cornelius Gurlitt schrieb wieder für die Zeitschrift.

1920 verkaufte Avenarius zugunsten von Rentenzahlungen für sich und seine Frau Else Avenarius die restlichen Anteile am Kunstwart an Callwey. Nach Avenarius' Tod übernahm dessen Stiefsohn, Wolfgang Schumann, bis 1925 die Herausgeberverantwortung. In dieser Zeit befanden sich 45 Künstlermappen, z. B. zu Ludwig Richter und Käthe Kollwitz, und etwa 30 Editionen der Kunstwart-Bücherei, darunter v. a. Klassiker, im Verlagsprogramm. Die Künstlermappen erschienen in einer Gesamtauflage von 1,3 Mio. Weitere bekannte Reihen waren Das Hausbuch deutscher Lyrik und Das Balladenbuch

Als deutschlandweite Plattform für Ideen der Kulturreformbewegung besaß diese Zeitschrift die Meinungsführerschaft zu allen Themen der Kultur und Ästhetik. "Der Kunstwart war damals eine geistige Macht in Deutschland", wie sich später der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, erinnerte, der selbst als Rezensent für den Kunstwart tätig gewesen war. Der Kunstwart stand für die Bewahrung bürgerlicher Ideale in der Tradition der Aufklärung unter den Bedingungen der aufkommenden Industriegesellschaft, für einen konservativen und teilweise antisemitischen Patriotismus und in der Nazizeit für die innere Emigration.

Der Kunstwart erschien von 1932 bis 1937 unter dem Titel "Deutsche Zeitschrift: Monatshefte für eine deutsche Volkskultur" und ging dann auf in "Das innere Reich: Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben".